Party.San Open Air 2025 – Donnerstag
Der Donnerstag empfängt das Party.San Open Air mit nahezu perfekten Festivalbedingungen: leichter Wolkenzug, viel Sonnenschein und beste Stimmung auf dem Infield. Während am Vormittag noch die letzten Vorbereitungen laufen, steigt außerhalb des Geländes die Vorfreude auf den traditionellen Geschützdonner, der am frühen Nachmittag endlich die offizielle Eröffnung des Festivals einläutet. Hell is officially open!
Den Auftakt übernehmen ROTPIT, die nach der Begrüßung durch Thomas Liebetrau ihren ersten Deutschland-Auftritt absolvieren. Für Frontmann Ralf Hauber ist es beinahe ein Heimspiel, und mit ihrem kompromisslosen Old-School-Death-Metal gelingt der deutsch-schwedischen Formation ein idealer Festivalstart. Songs wie „Long Live The Rot“ oder „Into The Rotpit“ stehen exemplarisch für das Konzept der Band, deren groovige Midtempo-Passagen bereits früh zahlreiche Besucher zum Bangen bewegen. Sound und Performance überzeugen gleichermaßen und machen Lust auf die kommenden Tage.
Nahtlos schließt sich mit EXTERMINATION DISMEMBERMENT die nächste Brutalitätsoffensive an. Die Weißrussen verbinden Slam- und Brutal Death Metal mit modernen elektronischen Elementen und sorgen vom ersten Song an für Bewegung vor der Bühne. Circle Pits, Mosh Pits und schließlich eine gewaltige Wall of Death lassen das Infield erbeben. Songs wie „Terror Domination“ entfalten live eine enorme Wucht und machen den Auftritt zu einem schweißtreibenden Metal-Workout.
Mit ...AND OCEANS folgt die erste stilistische Überraschung des Tages. Die Finnen schlagen gekonnt die Brücke zwischen melodischem Black Metal, Death-Metal-Wurzeln, Industrial-Einflüssen und elektronischen Klanglandschaften. Klassiker wie „Trollfan“ stehen aktuellen Songs wie „The Fire In Which We Burn“ oder „The Dissolution Of Mind And Matter“ gegenüber, ohne dass ein Bruch im Sound entsteht. Das Zusammenspiel aus aggressiven Riffs, eingängigen Melodien und atmosphärischen Synthesizern begeistert sowohl langjährige Fans als auch neugierige Zuhörer. Nach ihrer langen Pause zeigt sich eindrucksvoll: ...AND OCEANS haben nichts von ihrer Klasse eingebüßt.
Ein fester Bestandteil des Party.San ist inzwischen der Label-Schwerpunkt. 2025 steht AOP Records im Mittelpunkt und schickt mit THE SPIRIT einen seiner stärksten Vertreter auf die Mainstage. Die Saarländer präsentieren ihren melodischen Black- und Death Metal technisch makellos. Ohne große Ansagen reiht die Band Song an Song, darunter „Against Humanity“, „Room 101“ und „The Clouds Of Damnation“. Unterstützt von Pyrotechnik und einem druckvollen Sound entwickelt sich der Auftritt zu einer beeindruckenden Demonstration musikalischer Präzision. Crowdsurfer, zahlreiche Bangende und begeisterter Applaus bestätigen, dass THE SPIRIT endgültig auf den großen Bühnen angekommen sind.
Mit DOOL folgt anschließend ein atmosphärischer Kontrast zum bisherigen Extrem-Metal-Programm. Die Niederländer überzeugen mit ihrem düsteren Dark-Doom-Rock und ziehen das Publikum durch ihren hypnotischen Groove schnell in ihren Bann. Raven van Dorst führt charismatisch durch ein leider viel zu kurzes Set, das mit dem Titeltrack des aktuellen Albums „The Shape Of Fluidity“ sowie dem Publikumsliebling „Oweynagat“ eindrucksvoll die Vielseitigkeit der Band demonstriert.
GRAND MAGUS bringen danach klassischen Heavy Metal auf die Mainstage. Während die Stimmung im Publikum hervorragend ist und Hymnen wie „Steel Versus Steel“, „Untamed“ und besonders das gemeinsam gesungene „Hammer Of The North“ für viele Gänsehautmomente sorgen, gehen die Eindrücke hinsichtlich des Sounds auseinander. Zeitweise wirkt insbesondere der Gesang etwas kraftlos und unausgewogen, während andere Passagen durch Transparenz und Druck überzeugen. Unabhängig davon feiern die zahlreichen Fans die sympathische Performance des schwedischen Trios lautstark und machen den Auftritt zu einem gelungenen Fest für Freunde klassischen Heavy Metals.
Mit FLESHGOD APOCALYPSE erreicht die Inszenierung des Tages ihren ersten Höhepunkt. Vor einem opulenten Bühnenbild im Stil eines Opernhauses verbinden die Italiener orchestrale Arrangements mit technischem Death Metal. Sängerin Veronica Bordacchini begeistert sowohl stimmlich als auch durch ihre eindrucksvolle Bühnenpräsenz. Barocke Kostüme, Piano-Passagen und monumentale Arrangements verleihen den Songs des aktuellen Albums „Opera“ eine eindrucksvolle Live-Dimension und sorgen für eines der spektakulärsten Bilder des gesamten Tages.
Emotional wird es anschließend bei HARAKIRI FOR THE SKY. Mit „Keep Me Longing“ eröffnet die österreichische Post-Black-Metal-Band ihr Set und verbindet melancholische Melodien mit intensiven Blastbeats. Sänger J.J. transportiert den Weltschmerz glaubwürdig, während Songs wie „Fire Walk With Me“ und „Without You I'm Just A Sad Song“ das Publikum sichtbar berühren. Für einen besonderen Moment sorgt schließlich GROZA-Sänger P.G., der beim abschließenden RADIOHEAD-Cover „Street Spirit (Fade Out)“ mit seinem Klargesang begeistert und dem ohnehin starken Auftritt einen würdigen Abschluss verleiht.
Anschließend übernehmen NAPALM DEATH die Bühne und demonstrieren eindrucksvoll, warum sie seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Vertretern des Grindcore zählen. Obwohl Bassist Shane Embury krankheitsbedingt fehlt und von John Cooke vertreten wird, präsentiert sich die Band in Höchstform. Barney Greenway wirbelt mit unglaublicher Energie über die Bühne, während Klassiker wie „Suffer The Children“, „Harmony Corruption“, „On The Brink Of Extinction“ und das DEAD-KENNEDYS-Cover „Nazi Punks Fuck Off“ ebenso frenetisch gefeiert werden wie aktuelle Songs. Seine politischen Ansagen, darunter ein deutliches Statement gegen Rechtsextremismus und für Selbstbestimmung, sorgen zwar nicht bei allen für Zustimmung, gehören aber seit jeher zum Selbstverständnis der Band. Musikalisch liefern NAPALM DEATH eine überragende Vorstellung.
Den Abschluss des ersten Festivaltages gestalten DARK ANGEL mit ihrem lang erwarteten Comeback auf deutscher Festivalbühne. Bereits die düstere Einleitung erzeugt eine gespannte Atmosphäre, bevor „We Have Arrived“ den Startschuss für eine beeindruckende Thrash-Metal-Demonstration gibt. Ron Rinehart präsentiert sich stimmgewaltig und emotional, während Gene Hoglan mit seinem präzisen Schlagzeugspiel einmal mehr Maßstäbe setzt. Laura Christine überzeugt als Nachfolgerin des verstorbenen Jim Durkin mit herausragender Gitarrenarbeit und bildet gemeinsam mit Eric Meyer ein exzellentes Gitarrenduo.
Nach Klassikern wie „Time Does Not Heal“ und „No One Answers“ folgt mit „Extinction Level Event“ die erste neue Single, die Rinehart seinem verstorbenen Bandkollegen Jim Durkin widmet. Anschließend spielt die Band das komplette Album „Darkness Descends“ in Originalreihenfolge und entfacht damit wahre Begeisterungsstürme unter den Thrash-Fans. Auch wenn sich das Infield zum Ende hin etwas lichtet und nicht jeder Besucher die nostalgische Euphorie teilt, bleibt der Auftritt eine eindrucksvolle Erinnerung daran, welchen Stellenwert DARK ANGEL innerhalb des Thrash Metals besitzen.
Der Donnerstag des Party.San Open Air 2025 überzeugt damit auf ganzer Linie. Perfektes Festivalwetter, ein abwechslungsreiches Line-up zwischen Old-School-Death-Metal, Black Metal, Doom, Grindcore und Thrash sowie zahlreiche hochklassige Auftritte sorgen für einen gelungenen Auftakt. Bereits der erste Festivaltag macht deutlich, warum das Party.San für viele Fans zu den wichtigsten Extreme-Metal-Festivals Europas gehört.
Der Freitag:
„Welcome to Hell“ – unter diesem Motto lud das Party.SanMetal Open Air vom 7. bis 9. August 2025 bereits zur 29. Ausgabe auf den Flugplatz im Ortsteil Obermehler bei Schlotheim ein. Rund 10.000 Metalheads fanden den Weg nach Thüringen, wobei die Besucherzahl spürbar unter der der Vorjahre lag – was dem Festival keineswegs schadete. Auf dem Gelände ging es entspannter zu, und das familiäre Wiedersehen mit alten Bekannten prägte die Atmosphäre. Das Wetter zeigte sich am Freitag von seiner sommerlichen Seite.Tagsüber angenehm mit leichter Bewölkung, in den Moshpits vor der Bühne und vor allem in der stickigen Tent Stage fühlte es sich aber schnell nach deutlich mehr an. Nach dem anstrengenden Donnerstag mit Napalm Death und Dark Angel brauchten viele Camper am Vormittag noch etwas Anlaufzeit – dabei stand mit gleich drei Co-Headlinern (Rotting Christ, I Am Morbid und Triptykon) ein langer Abend bevor.
Den Weckdienst auf der Main Stage übernahmen um Punkt 12 Uhr die schottischen Slam-Death-Grinder Party Cannon – und erwiesen sich als perfekte Wahl für den verspäteten „Frühschoppen“. Mit bunten Shirts, Konfettischwall und dem Motto „Lower Your IQ!“ nahm sich die Band keine Sekunde ernst. Ein Roadie mit nacktem Oberkörper und knallblauer Totenkopfmaske animierte das Publikum mit Pappschildern, auf denen Songtitel wie „Thirst Trap“ angekündigt wurden, ein aufblasbares Gummiboot kreiste über den Köpfen der Menge, und Sänger Tony Reddie sorgte mit seinem breiten schottischen Akzent für humorvolle Ansagen zwischen den Gore- und Porngrind-Attacken. Das Publikum hatte offensichtlich nur auf diesen Opener gewartet – der erste große Circlepit des Tages drehte sich praktisch durchgehend.
Deutlich ernster wurde es mit Hyperdontia. Die dänisch-türkische Formation um Sänger Mathias Fribourg servierte technisch präzisen, bissig scheppernden Death Metal ohne jeden Party-Anstrich, mit Material vom aktuellen Album „Harvest OfMalevolence“ und tiefen Growls. Bemerkenswert hier, der neue Drummer absolvierte hier seinen ersten Live-Einsatz mit der Band und agierte beeindruckend tight. Die Meinungen der Berichterstatter gingen allerdings auseinander – während die einen von extrem tightem Death Metal mit starkem Sound schwärmten, empfanden andere das Set als etwas gleichförmig; auch der Publikumszuspruch blieb hinter dem des Openers zurück.
The Vision Bleak erwischten mit ihrem Gothic-Horror-Metal einen undankbaren Slot. Die düster-melancholische Ästhetik der Bayern, die live von einer Violinistin ergänzt wurde, wirkt im gleißenden Tageslicht naturgemäß weniger effektiv als in dunkler Halle. Dennoch zeigte das Best-of-Set, dass die Band seit früheren Auftritten deutlich an Härte zugelegt hat, ohne die Goth-Einflüsse und die charakteristischen Gesangsduette zu vernachlässigen – dafür gab es trotz stilistischer Außenseiterrolle respektvollen Applaus.
Ein echtes Highlight des Nachmittags lieferten Crypt Sermon aus Philadelphia. Die Amerikaner gelten als eine der besten Doom-Bands überhaupt und hielten in Obermehler den Geist von Candlemass und Solitude Aeturnus hoch. Die träge, hypnotische Musik waberte majestätisch über das Infield, während Sänger Brooks Wilson mit traumhaftem, prägnantem Gesang und optisch mit schneeweißen Boots herausstach. Einziger Wermutstropfen: Die 45 Minuten Spielzeit waren für dieses epische Material schlicht zu kurz, und der Publikumszuspruch blieb angesichts der sommerlichen Wärme verhaltener als verdient.
Parallel lief das Programm in der Tent Stage an – und dort sorgte Heretic Warfare direkt für ein proppenvolles Zelt. Das derbe Death-Thrash-Gemisch mit Crust-Einschlag und wütenden Vocals, wurde trotz erheblicher Zelthitze mit intensiver Spielfreude vorgetragen – für manchen Beobachter eine echte Entdeckung des Wochenendes.
Zurück auf der Hauptbühne bewiesen Wayfarer aus Denver, dass ihre spezielle Nische auch am hellen Nachmittag funktioniert. Black Metal mit Western-Atmosphäre, Americana- und Country-Einflüssen in der Tradition von Panopticon und Agalloch. Wer nervige Folk-Klischees erwartet hatte, wurde positiv überrascht. Der charaktervolle Zwiegesang aus Growls und Klargesang von Shane McCarthy ging unter die Haut.
Mit Hellbutcher, dem neuen Projekt von Nifelheim-Sänger Per Gustavsson, nahm der Abend Fahrt auf.Rohe Urgewalt aus Heavy-, Speed- und Black-Thrash im 80er-Retro-Gewand, garniert mit Leder, Nieten, Pyro-Effekten und einem Cover des Venom-Klassikers „Black Metal“. Auch hier gingen die Eindrücke auseinander. Während ein Teil der Presse eine starke, authentische Show mit ausgelassen über die Bühne tanzendem Frontmann sah, auf höherem Niveau als frühere Projekte, empfanden andere das Material auf Dauer als etwas eintönig. Das Publikum vor der Bühne störte das wenig: Bei gefühlten 40 Grad drehten sich die Matten unermüdlich.
Im Zelt rollte unterdessen die schwedische Mass Worship-Dampfwalze.Eine eigenständige Mischung aus Hardcore, Death Metal, Crust Punk und Black-Metal-Elementen.Nichts für schwache Nerven, aber genau deshalb begeisternd.
Auf der Main Stage folgte mit Defleshed das schwedische Death-Thrash-Kommando aus Uppsala, dessen Frontmann Gustaf Jorde das eigene Genre charmant als „Speed-Thrash-Heavy-Death-Doom“ umschrieb. Geboten wurde ein kompromissloser Totalabriss ohne Schnickschnack, runtergezockt mit fliegenden Haaren und geballten Fäusten. Für manchen Berichterstatter das persönliche Festival-Highlight.
Die Tent Stage blieb derweil das Terrain der Entdeckungen.Naxen zelebrierten kompromisslos kalten Black Metal, Friisk emotionalen, ehrlichen norddeutschen Black Metal ohne Pose.Beide waren allerdings vom matschigen Zeltsound beeinträchtigt, der im deutlichen Kontrast zum durchweg besseren Main-Stage-Sound stand.
Um 18:50 Uhr betrat dann eine Institution die Hauptbühne. Suffocation, nach elf Jahren erstmals wieder beim Party.San. Das Quintett aus Long Island um Drummer-Legende und nunmehr Frontmann Ricky Myers demonstrierte technische Übermacht mit einem Mordssound, der den Boden vibrieren ließ. Circlepits und ein stetiger Strom an Crowdsurfern, professionell von der Security aufgefangen, zeugten von der Energie des Publikums.
Parallel spielten Gutslit im Zelt. Die Inderlieferten nicht nur brutalen Death Metal mit rekordverdächtigem Zelt-Circlepit und heftigen Crowdsurf-Einlagen
Besonders bewegend geriet der Auftritt von Brujeria. Das maskierte hispanische Death-Grind-Kollektiv hatte im Vorjahr mit Juan Brujo und Pinche Peach beide Frontmänner verloren – doch der Brujeria-Spirit lebt weiter. Ungeschliffen-groovy, politisch aufgeladen und mit fetten Gitarrensounds zerlegte die Band alles, was sich ihr in den Weg stellte.Die Stimmung erreichte den Siedepunkt. Wer diese Band live unterschätzt hatte, wurde eines Besseren belehrt.
Im Zelt rundeten Drudensang mit Ritual-Ästhetik und Weihrauchnebel das atmosphärische Black-Metal-Programm ab, kämpften aber ebenfalls mit dem matschigen Zeltsound.
Mit einbrechender Dunkelheit begann um 21 Uhr der Siegeszug von Rotting Christ: Mastermind Sakis Tolis übertrug seine Energie sichtlich auf Band und Publikum, während Feuerbälle den Nachthimmel illuminierten. Die Griechen führten in beinahe tranceartiger Atmosphäre durch drei Dekaden Bandgeschichte, getragen von einer der besten Soundabmischungen des Wochenendes. Für die meisten ein wuchtiges Lehrstück in melodischem Black/Death Metal.Nur vereinzelt wurde das hymnisch-repetitive Konzept als ermüdend empfunden.
Wer danach etwas völlig anderes suchte, wurde im Zelt fündig.Imperial Triumphant aus New York verstörten und faszinierten zugleich mit Avantgarde-Metal aus Jazz-Elementen, Dissonanzen und goldenen Masken.Als würde eine Free-Jazz-Band versuchen, Black Metal zu spielen, so ein treffender Eindruck aus der Presse.
I Am Morbid um die Morbid-Angel-Legende David Vincent servierte anschließend eine gehörige Portion Nostalgie. Mit Fokus auf das Album „Domination“ und Klassikern wie „Where The Slime Lives“, „Maze OfTorment“, „Chapel OfGhouls“ und „Domination“ selbst, beschwor der bestens gelaunte, zu längeren Ansagen aufgelegte Frontmann die goldene Ära seiner Ex-Band herauf.Begleitet von Feuerfontänen und Old-School-Circlepits. Vincents markante Stimme und Bühnenpräsenz zogen selbst Skeptiker in den Bann.Für manch einen Beobachter war es der bislang stärkste Auftritt des Projekts überhaupt.
Den Schlusspunkt setzte um 23:45 Uhr Triptykonplays Celtic Frost.Für viele der magischste Moment des gesamten Festivals. Eröffnet mit dem eiskalten Flüstermonolog „Totengott“, stand Tom G. Warrior wie ein Monolith auf der Bühne und zelebrierte in mystisch-blauem Licht vor dem „ToMega Therion“Artwork Klassiker wie „Circle Of The Tyrants“, „Into The Crypt Of Rays“, „ProcreationOf The Wicked“ und „A DyingGod Coming Into Human Flesh“ bewusst in Originalgeschwindigkeit. Der Gedenkmoment für den 2017 verstorbenen Celtic-Frost-Bassisten Martin Eric Ain sorgte für Gänsehaut; auch das präzise Spiel von Bassistin Vanja Slajh wurde eigens hervorgehoben. Der Auftritt, bereits Triptykons dritter beim Party.San, glich eher einer religiösen Zeremonie als einem Konzert und endete mit langem Applaus, andächtiger Stille und strahlenden Gesichtern.
Aber auch ein so grandioser Tag muss einmal enden. Aber nicht bevor noch im Partyzelt der verdiente Feierabend erarbeitet wird. Gute Laune, durstige Bekanntschaften und gemeinsame Prunkbejaulung der Hits aus der Metal Disco lassen diesen Tag würdig und zufrieden verstreichen.
Samstag, 9.08.2025
Gezeichnete Spaßlaune statt Ernstfall: Schon wieder Samstag? Kaum hat man die Freitag Party-San-Schuhe ausgezogen, bricht auch schon der finale Festivaltag an. Im Zelt rumpelt es seit zwei Stunden, und um zwölf mittags legt das heutige Hauptbühnen-Programm los: death-metal mit Weltkrieg-Feeling. SCALPTURE aus Bielefeld brauchen dafür keine Graben-Szenerie – ihre Instrumente klingen schon genügsam genug Power in die Luft. Das Fünfer-Quintett hat sein neues, bereits viertes Album „Landkrieg“ am Start. Nach einem eindrucksvollen Intro geht’s beim Opener „Into Catastrophe“ direkt zur Sache: Furiose Riffs à la HAIL OF BULLETS treffen auf flotte Parts. Schon mittags klingt das Ganze rund. Bevor der Track „Til Jeret Undergang“ losgeht, macht Sänger Thorsten klar: Trotz düsterer Themen eine klare Botschaft gegen Unterdrückung, Diktatur und Krieg.
Mit der französischen Grind-Old-Guard BLOCKHEADS stürmen nun die Mainstage die mit politisch eingefärbtem Grindcore ordentlich Panik machen. Die Band fegt mehr als zwanzig Stücke raus und der Alarmton steigt lautstark. Xavier, der Sänger mit starkem französischem Akzent, meckert charmant gegen Ungerechtigkeiten, Fremdenhass und Krieg – und verknüpft die Tracks auf eine authentisch-chaotische Achterbahn.
Ihre Landsleute NECROWERTCH legen völlig aufs Ansagenpüppchen pfeifend keinen Wert und heizen das Publikum ordentlich ein – und das nicht nur mit der Musik. fast 30°C, brennende Sonne und doch zündet die Band eine Feuersäule nach der nächsten. Das Infield, schon flotter als ein klassischer Motor, bewegt sich gemütlich zu einer Mischung aus alten Hits und neuem Material von Swords Of Dajjal, bis am Ende sogar ein Crowdsurfer über den Wellenbrecher gemogelt wird – natürlich nur, wenn drei Meter als Crowdsurfen durchgehen.
Die belgischen SCHIZOPHRENIA fungieren mal wieder als Stimmungsgarant, auch wenn ihr arschther Death-Thrash nicht die innovativste Klanghülle ist. Bei der Hitze bringen sie das Publikum zusätzlich zum Schwitzen – Stillstehen ist tabu, Mitmachten Pflicht. Die vier Herren wirken super sympathisch und locker, Frontmann Ricky ruft ständig zur Mitaction auf. Und Drummer Lorenzo? Der zieht sich das T-Shirt einfach immer wieder zurecht, damit klar rüberkommt, wie er zu Nazis steht: gar nichts, null, nada.Ein echter Fanservice-Vergoldung: Die Bühne wird basisdemokratisch zur Fan-Parlamentsarena – Coverfrage: MORBID ANGEL oder SLAYER? Knapp gewinnt Slayer, und SCHIZOPHRENIA servieren eine glitzernde Version von „Necrophiliac“ auf die Bühne. Ein kurzweiliges Spektakel, das die Jungs gleich zu der famosen Ankündigung verführt: Wir kommen bestimmt wieder – I hope so....!
Die portugiesischen Brutal-Deather von ANALEPSY sind zwar keine Neuheit in der Szene, aber zum ersten Mal beim Party.San am Start. Die schon aufgeheizte Menge frenetisiert die Band mit großem Hallo, während Sänger Calin mit Basecap eher gemütlich am Mikro hängt – die Saitenfraktion daneben rastlos am Werk. Ihr Slam-Death-Mix saust mächtig über das P.S.O.A. Mainfield, eine Prise verspielt, aber nie sanft – Groove trifft Brutalität und liefert damit die volle Wucht. Kein Rumgerede, nur „auf die Mütze“-Publikumsdienst. Die Setlist dominiert von den letzten zwei Alben, mit Tracks wie „Apocalyptic Premonition“, „The Vermin Devourer“ und dem letzten Zug „Locus Of Dawning“ aus „Quiescence“ – erfüllt bis fast zur letzten Backe. Und ob die kalten Nordlichter danach auch noch überzeugen können, wenn sie die Mainstage betreten? Mal sehen.
Die glühenden Bathory-Jünger EREB ALTOR gelten als die Festival-UnderDogs, bis sie die Bühne betreten – dann ist das Mikro schon nervös, weil niemand damit rechnet. Elf Jahre nach dem PSOA-Debüt und sechs Alben später marschieren die Schweden souverän und gewitzt durch, als hätten sie gerade eine Casting-Show gewonnen. Die epische Großklappe der Anfangstage ist immer noch am Start, rückt aber deutlich in den Hintergrund zugunsten einer spürbar aggressiveren Gangart. Openersatz „In times of fire, in times of war“ knallt auch gleich aus dem Startloch, während „Valkyrian Fate“ die Bühne in Funkenlichkeit versetzt. Epische Parts bleiben im Repertoire, treten heute aber leiser in den Hintergrund; „Queen Of All Seas“ mit dreistimmigem Klargesang ist der Ohrwurm des Abends, dicht gefolgt vom düsteren „Vargtimman“.Weiter reicht die Setliste nicht zurück – die 2017er „Ulfven“-Scheibe hat den Rückwärtsgang schon lange ausverkauft, weshalb ein paar Hits leider im Club der Vergessenen landen. Mats’ Gesang hat zwischendurch eine schräge Nuance, EREB ALTOR ziehen heute nicht jeden in ihren Bann, bleiben aber eine supersympathische Truppe mit eigenem Charme und Stil.
Während sich andere Bands im Death-Metal-Sektor entscheiden, ob sie technisch, melodisch oder einfach nur dramatisch klingen wollen, haben SKELETAL REMAINS beschlossen, den Turbo auf Brutalität und Härte zu legen – laut, lauter, am lautesten. Das beweisen nicht nur die neuesten Studio-Tetris-Riffs, sondern auch ihre Live-Show, in der Kalifornien mal wieder beweist: Wir brauchen keinen Wetterbericht, wir brauchen eine Verstärker-Schnulze. Nach ein paar Sound-Tuning-Mags knallt es aus den Boxen, und Frontmann Chris Monroy röhrt tiefer als ein Saugroboter im Tiefschnee. Begleitet wird er von einer Band, die musikalisch wie visuell längst eine Top-Death-Metal-Formation ist – Haar-Walzer, Kopfnicken auf Tiefschlaf-Niveau und zwischendurch der obligatorische düstere Blick, der das Publikum noch dunkler aussehen lässt als der Output des Nachtischs.
So unwirklich düster, dass selbst der Kerzenhalter applaudiert: PIG DESTROYER holen Grind und Noise zurück auf die große Bühne – als würden sie aus Versehen ein Meteoritenschwärmen-Kingplace eröffnen. Das auffällige Bühnenbild mit Keyboarder Sampler Alex Cha in der Mitte sticht aus dem standardisierten Metal-Setup wie ein Neonlicht im Museum. Musikalisch gibt’s eine wilde Mischung aus brutalstem und chaotischstem Grindcore, die Band rast wie eine Uhr, die sich weigert, zu ticken. Der Sound sitzt, das Set bietet eine runde Playlist aus Phantom Limb, Terrifyer, Book Burner und Prowler In The Yard. Der totale Abriss mit Cheerleader Corpses, Scatology Homework und Trojan Whore – plus Jennifer-Intro vom Prowler-Album – kippt sich in drei Minuten Grind-Inferno und gehört zu den Highlights, eine schöne Abwechslung, die das P.S.O.A. so noch nicht gesehn hat.
Eine Show, die Old-School-Death-Metal-Fans seit Jahren ersehnen, wird heute endlich Realität. GRAVE in der Originalbesetzung (Jörgen, Jens, Ola und Jonas) liefern ein dickes, ehrliches Old-School-Set ab. Hier geht’s um Nostalgie pur, ohne Glitzerschwüre, ohne Effekthascherei – der Sound ist so rumpelig, dass man ihn fast als authentisch bezeichnen könnte. GRAVE richten sich zurück zu ihren Wurzeln und knallen eine Nachspeise nach der anderen raus. Vom Opener „Into The Grave“ über „You’ll Never See“ und „Christi(ns)anity“ bis zum Videoklassiker „Soulless“ ist alles am Start. Kurz gesagt: eine lupenreine Revival-Show, die die Puristen glücklich macht und den Rest zum Grinsen bringt.Es wäre nicht ganz falsch zu behaupten, dass die Schweden an diesem frühen Abend die Headliner der Herzen waren – und ja, vor der Mainstage hat sich eine Menschentraube aufgetan, als gäbe es Gratis-Pizza. Die Band hat offensichtlich ihren eigenen Tourplan nicht ganz gecheckt und hätte nach „Soulless“ besser gehen sollen. Stattdessen gab’s den obligatorischen Abschlusstrack „…And Here I Die…Satisfied“, weil niemand die Bühne ohne diesen finalen Kracher verlassen durfte – schon klar,das die Stagemanagerin das natürlich nicht so berauschend fand. Ein nostalgischer Trip in die Vergangenheit, mit ein paar Imperfektionen und Vocals von Jörgen, die nicht ganz an die Anfangstage herankommen, – und dennoch flossen bei jedem Fan Freudentränen.
Nostalgie greift um sich, auch TIAMAT lässt grüßen, und obwohl sie nicht zum extremen Metal zählen, fiebern viele dem Party-San-Debüt der Schweden entgegen. Wer ist dieser schrullige Typ in dem Flickenteppich und dem Fès auf der Stirn? Der sonnenbrillierte, etwas ramponierte Mann mit sonderbarer Gesichtsbemalung ist wirklich Johan Edlund, der „In A Dream“ anstimmt. Unsere Augen wollen es kaum glauben, unsere Ohren sehnen sich nach dem Klassiker „Clouds“. Die erliegen dem Gewitter aus Opener, „The Sleeping Beauty“ und „A Caress Of Stars“ – eine hübsche Vierer-Reihe, die sich da auftut. Edlunds kauzige Erscheinung, seine Späße und Ansagen sorgen für irritierte Blicke und viele Fragezeichen. Geht’s ihm gut? Vielleicht hat er nur gerade eine besonders kreative Nacht hinter sich.Der barfüßige Frontmann tummelt sich auf der Bühne wie ein Camper im Wohnzimmer, umarmt ständig seine Bandkollegen, schrumpft im Solo manchmal zusammen und schenkt jedem Küsschen, Herzchen und eine Prise Segen – keine Panik, das Gegengift kommt bestimmt von GORGOROTH. Deine Stimme ist nicht perfekt, aber immerhin weniger cringe als seine Optik. Edlund spielt kein Instrument mehr, wirkt aber stolz wie ein Koch mit eigener Crew, die heute sogar die TIAMAT-Ehre rettet. Die Setlist? Ein Traum: ganz viel Clouds, dazu genauso viele Wildhoney-Songs, inklusive der Klassiker Whatever That Hurts, The Ar und als epischer Abschluss Gaia. Die Reaktionen gehen auseinander: Die Fans feiern die “Origi-Alternative” Version, andere schütteln mitleidig den Kopf, wieder andere seufzen: Früher war alles besser. Die Wahrheit? Wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
Mehr Old-School-Black-Metal geht kaum: GORGOROTH haben eine beeindruckende Wundertüte an Klassikern in ihrer Diskografie. Und auch wenn aus den Gründungstagen der Norweger nur noch Gitarrist Infernus übrig ist, sorgt ein Auftritt der Band doch für eine kleine Zeitreise direkt in die 1990er. Neben Tracks der Frühwerke Pentagram und Antichrist flimmern heute besonders das 1997er-Album Under the Sign of Hell über die Ohren, mit einem Hauch von Incipit Satan obendrauf. Die Bühne bleibt optisch extrem dezent: ein schlichter Backdrop mit Logo, gelegentliche Feuersäulen aus schwarzen Fässern am Bühnenrand – mehr Minimalismus geht kaum, außer man zählt die Bühnenoutfits selbst als Deko. Was die Ausstattung mit Nieten und Stacheln angeht, übertreffen sie sogar HELLBUTCHER .Auch Frontmann Hoest nimmt kein Blatt vor den Mund: behängt mit einem übergroßen Metall- und Nieten-Suspensorium, das er im Auftritt immer wieder zurechtzupft, wütet, krabbelt und posiert der Sänger mit sichtlichem Elan über die Bühne. Dabei schwingt er den Mikrofonständer so keulenartig, dass selbst der eher stoisch wirkende Rest der Band ein wenig Angst bekommt. Dass GORGOROTH am Ende nur knapp über fünfzig Minuten auf der Uhr haben, lässt sich verschmerzen: ein kompakter, schnörkelloser Auftritt ohne Schnickschnack, der stimmungsvoll mit Bram-Stoker-Dracula-Atmosphäre ausklingt – inklusive Vollmond.
Der Vollmond? Blass wie BLOODBATH Scheiß egal – die Schweden (Nick Holmes inklusive) wollen vor allem eines: Blut sehen. Die inzwischen quartettierte Truppe macht den diesjährigen Abspann, und im Vergleich zu ihrem PSOA-Auftritt 2019 gibt es noch ein paar neue Details: LIK-Bassist Joakim Antman ersetzt derzeit Jonas Renkse am Tieftöner. Den zweiten Gitarristen braucht die Band gar nicht mehr – Anders Nyström schrammelt jetzt allein. Und Verkleidungen? Out. Statt draufgängerischer Kostüme tragen sie einfach coole Metal-Shirts und Basecaps – der neue BLOODBATH-Chic ist casual, aber gefährlich.Nick Holmes wirkt vorne wie jemand, der von der Welt genug hat, brüllt aber trotzdem zwischen den Songs wie ein Stand-up-Comedian – und legt nebenbei sein lichtes Haupthaar auf die Pyro-Technik ab. Ständig spielt er an seinem neuen „Soundspielzeug“ herum, was die spannende Frage aufwirft: Wie tief klingt seine Stimme noch, wenn das Effektgerät ausgeschaltet ist? BLOODBATH läuft routiniert und ohne Schnickschnack durch fast alle Scheiben, wobei Nightmares Made Flesh stilvoll die Pole-Position abräumt. Den Übertrack Eaten sparen sie sich klugerweise bis zum Finale auf. Mahlzeit und Good night.So richtig wie früher holt BLOODBATH die meisten nicht mehr ab, aber ihre Live-Show sitzt wie eine Uhr: pünktlich, auf den Punkt– und am Ende ordentlich laut, der perfekte Festivalausklang, der niemanden kalt lässt.
Für alle, die noch nie müde werden oder einfach nicht mit dem Feiern aufhören wollen: Das Partyzelt macht nach BLOODBATH nicht Schluss – die MetalDISCO übernimmt nahtlos, als wäre ABBA schon immer der Headliner gewesen. Ja, wirklich: Nach den „Gold – Greatest Hits“ wird die Hüfte noch einmal richtig geschwungen, bevor die letzten Hartgesottenen die Tanzfläche endgültig räumen. So endet das Party.San 2025 – ein Kapitel, das sich sicher einen festen Platz im Universum der Legenden verdient. Cheers auf eine unvergessliche Nacht!
Ein riesiges Dankeschön geht nochmal an das ganze Team, das jedes Jahr dafür sorgt, dass das P.S.O.A. so glatt über die Bühne gleitet, als hätte jemand Superklebeband an die Lampen geklebt. Ohne euch wäre das Ganze nur halb so cool – und vermutlich zehnmal so chaotisch. Wieder mal ein fantastisches P.S.O.A.-Wochenende, das sich selbst auf die Schultern klopft.
Und irgendwann steht der Kalender dann auf 2026: Mit vielleicht epischer Musik, dem Wetter, das sich freiwillig die bessere Seite wählt, großartigen Leuten und natürlich eisigem Bier. Bis dahin, oder so.